„Familien – Kinder – Kreuznach. Die Kandidat*innen zur Wahl des Bad Kreuznacher Stadtrates stellen sich den Fragen der Eltern“

Zur Online-Diskussion am vergangenen Dienstag, 4. Juni, 20 Uhr hatte der Stadtelternausschuss die Kandidat*innen zur Wahl des Bad Kreuznacher Stadtrates zur Online-Diskussion eingeladen. Knapp 40 Eltern und Interessierte hatten sich zur Diskussion eingewählt. Dr. Helmut Martin, CDU, Dr. Claudia Eider, SPD, Juliane Rohrbacher, Grüne, Christoph Anheuser, FDP, Jürgen Locher, Linke, Sigrid Eschmann, PBK, und Werner Klopfer, Bündnis für Bad Kreuznach stellten sich den Fragen des Stadt-Elternausschusses und der Eltern.
Der Ausschuss hatte den Kandidat*innen vorab drei Fragen zugesendet, die diese dann jeweils in 3 Minuten in abwechselnder Reihenfolge beantworten sollten. Die Fragen sind vor dem Hintergrund der Eltern-Arbeit des Ausschusses entwickelt worden und fokussierten auf 1. Gestaltungsideen für eine attraktive und lebenswerte Stadt für Familien, 2. die Verbesserung der Qualität der Nachmittagsbetreuung in Hort und Grundschule mit Blick auf den in 2026 kommenden Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung und 3. auf Maßnahmen zur Personalbindung und -gewinnung von guten Fachkräften im Kita-Bereich.

Gestaltungsideen für eine attraktive und lebenswerte Stadt für Familien
In den Antworten der Kandidat*innen ließ sich dann überall die Erwähnung der Schaffung und Erhaltung von Freizeitangeboten, insbesondere Sport- und Spielplätzen finden. Anheuser verwies dabei auf das aktuelle Budget im städtischen Haushalt von „nur 50.000€ pro Jahr“ und auf eine bereits initiierte Spielplätze-AG. Locher erwähnte auch Angebote für ältere Kinder und Jugendliche wie Jugendzentren, Skaterparks und Parcours. Die nötige Barrierefreiheit der Angebote, weitere Jugendzentren und eine beteiligte Stadtentwicklung forderte Rohrbacher. Das Konzept der „Essbaren Stadt“, mehr Stadtteil-Zentren als Begegnungsorte für alle und Auslaufflächen für Tiere schlug Eschmann vor. Klopfer nahm besonders das Salinental in den Blick und möchte umfassend Grünflächen für das Ballspielen öffnen.
Zu den Gestaltungsideen für eine attraktive und lebenswerte Stadt für Familien zählt für die SPD-, CDU-, Linke- und Grüne- Vertreter*in auch das Thema Wohnen. War Locher mehr genossenschaftlich organisiertes Wohnen und eine Absenkung der Wohnkosten wichtig, wies Martin neben der Bezahlbarkeit auf ein vielfältiges Angebot an Wohnraum für Familien hin. Rohrbacher forderte auch Hitze- und Flut-Szenarien zu berücksichtigen.
Das Thema Sauberkeit ist für das Bündnis für Bad Kreuznach ein wichtiges Anliegen, insbesondere mehr Blumen in der Stadt und ein ansehnliches Stadtbild seien auch für Familien attraktiv. Rohrbacher möchte sich für die notwendige Stärkung der Träger Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit stark machen. Für CDU und PBK ist darüber hinaus die Stärkung des Ehrenamtes wichtig. Die SPD-Kandidatin betonte, dass ein Gesamt-Paket, das aus einem guten Wohnraum-, Kita- und Freizeit-Angebot, dem Grundschul-Neubau, einer guten Gesundheitsversorgung und sicheren Verkehrswegen bestehe, für Familien wichtig sei.

Verbesserung der Qualität der Nachmittagsbetreuung in Hort und Grundschule mit Blick auf den in Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung ab 2026
Zum Thema der Verbesserung der Qualität der Nachmittagsbetreuung in Hort und Grundschule erklärte Klopfer, das der Stadtrat für eine Qualitätskontrolle nicht zuständig sei und die in der Frage implizierte verbesserungswürdige Qualität für ihn nicht nachvollziehbar sei. Er sehe das Thema bei der Verwaltung und den Fachkräften. Martin betonte, dass eine Umsetzung des Bundes-Gesetzes über einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 nur mit Unterstützung des Landes für die Stadt möglich sei. Wichtig sei grundsätzlich die Träger-Vielfalt zu erhalten, die lokalen Vereine und die Eltern mit einzubinden, für die detaillierte Konzept-Entwicklung sei es aber noch zu früh. Locher beklagte die fehlende Unterstützung der Kommunen durch Land und Bund und sieht beim Land das Versäumnis der Fachkräfte-Ausbildung. In seinen Augen müsse mehr ausgebildet werden, auch weil das Ehrenamt kein Ersatz für Fachkräfte sei. Er sieht außerdem Verbesserungspotenzial in der Verwaltungsarbeit und merkte mit Blick auf den Stadtrat an, dass dieser hinsichtlich der Wertschätzung der Mitarbeiter*innen „nicht immer geglänzt“ habe. Wichtig ist der Linken auch das Thema Essen, hier fordert Locher „frisches Essen“ und, dass kein Kind vom Essen ausgeschlossen werde. Anheuser erläuterte, dass es sich beim Thema Ganztagsbetreuung um eine „Riesenherausforderung“ handele, die man nicht wie aktuell gesetzlich geregelt werde umsetzen können. Es gehe jetzt darum, statt zu schimpfen, familiengerechte und flexible Lösungen zu erarbeiten. Er sieht diese bei den Vereinen und im Ausbau von Hort-Plätzen. Für Rohrbacher ist wichtig, dass Selbstentfaltung und „Demokratie lernen“ möglich sind und flexible Betreuungsmodelle auch jenseits „des Vordaches der Grundschule“ entwickelt werden. Eschmann verwies darauf, dass die Stadt nicht für die weiterführenden Schulen zuständig und gutes Personal wichtig sei. Auch Eider verwiese auf die Zuständigkeiten der verschiedenen Ebenen, zeigte aber auch, dass die Personalausstattung in der Verantwortung des Stadtrates liege, wenn es dann um die große Aufgabe gehe, den Stellenplan der Stadtverwaltung anzupassen.

Maßnahmen zur Personalbindung und -gewinnung von guten Fachkräften im Kita-Bereich
Zur Frage möglicher Maßnahmen zur Personalbindung und -gewinnung von guten Fachkräften im Kita-Bereich waren die Kandidat*innen sich weitgehend einig, dass eine Stärkung Bad Kreuznachs als attraktivem Wohn-, Arbeits- und Lebensort auch im Unterschied zu größeren Städten wichtig sei. Eschmann verwies im Hinblick auf die für sie zu geringe Vergütung der Fachkräfte auf die Vorgaben durch das Tarif-System des öffentlichen Dienstes und die Vorgaben der ADD. Daher sei es wichtig die Arbeitsbedingungen insbesondere den Betreuungsschlüssel nicht weiter zu senken. Aber auch die Gründung von Betriebskitas und die Ausbildung von Tages-Müttern sei denkbar. Rohrbacher wies auf eine bereits aktive Arbeitsgruppe im Jugendhilfeausschuss zu Kita-Fachkräfte-Gewinnung hin. Ihr ist der Einsatz von gut ausgebildeten Fachkräften wichtig und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, z.B. mittels einer Befragung der aktuellen Mitarbeiter*innen. Außerdem schlägt sie die Einrichtung von Ausbildungsstipendien vor, die es in anderen Städten auch gebe. Auch für Martin liegt ein Problem in den Arbeitsbedingungen, hier dem Betriebsklima und „dem Druck“. Er fordert aber auch mehr Wertschätzung der Arbeit der Erzieher*innen durch die Eltern, „die ja auch manchmal schwierig“ seien. Auf Landesebene sei noch die Entlastung der Kita-Leitungen gesetzlich zu verankern. Locher wiederholte die Bedeutung der Ausbildung von Fachkräften und forderte die Mitarbeiter*innen gut einzubinden in die Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen und warnte davor den Kampf um Fachkräfte zu verschärfen. Auch Eider wies auf die Beschränkungen bei der Vergütung und die Bedeutung des Ausbildens hin. Die Stadtverwaltung biete hier insbesondere mit der Teilzeit-Ausbildung für Erzieherin ein erfolgreiches Angebot und präsentiere sich gut auf Job-Messen. Anheuser verwies auf die steigenden Krankenstände und die Notwendigkeit zu analysieren, woher sie genau kommen. Auch er hält Betriebs-Kitas für eine gute Idee und schlägt darüber hinaus eine Betreuung für Mitarbeiter*innen-Kinder während der Sommer-Ferien analog zum Angebot der Kreisverwaltung sowie vergünstigte Eintritte zu städtischen Freizeit-Angeboten. Für Klopfer liegt ein Problem in der Fluktuation bzw. der Elternzeiten der meist weiblichen Fachkräfte. Für ihn stellt der Einsatz von Eltern in Kitas kein Problem dar.

Verkehrssicherheit
Das Thema Verkehrssicherheit war bereits im Zusammenhang mit der ersten Frage erläutert worden und wurde am Ende der Veranstaltung auf Nachfragen zu konkreten Maßnahmen wie 30-Zonen aus dem Chat noch einmal aufgegriffen. Locher hatte eingangs bereits kurze Wege zu Fuß und auf dem Rad gefordert, aber auch auf die wichtige Bedeutung des ÖPNV, insbesondere der Busse für Kinder hingewiesen, um für weniger Eltern-Taxis zu sorgen. Eschmann forderte „flächendeckend“ Fahrradwege, die auch abgegrenzt zur Straße seien und eine Verkehrsplanung ohne Privilegien für Autos. Außerdem sollte es Mobilitätstrainings für Kinder geben. Auch die Kandidatin der Grünen fordert dazu auf die Priorisierung des Autos z.B. mit Blick auf das Parken immer wieder zu hinterfragen und die notwendige Begrünung mit zu bedenken. Klopfer fallen keine übergreifenden Maßnahmen ein, es müsste im Einzelfall Lösungen für konkrete Probleme geben. Tempo 30 in Wohnvierteln sei weitgehend umgesetzt. SPD und FDP verweisen auf die erfolgreiche Entwicklung von Verkehrskonzepten vor Schulen. Eider nennt das Konzept für das Gymnasium am Römerkastell, Anheuser das partizipativ erarbeitete Konzept einer Schulstraße um die Grundschule Hofgartenstraße. Für Martin sind weitere Spielstraßen denkbar, grundsätzlich sei wichtig die bestehenden Instrumente zu nutzen und einzuführen. Locher spricht sich erneut für den Bus aus und gegen „Kiss + ride“ Parkplätze. Er forderte in diesem Zusammenhang außerdem harte Verkehrskontrollen vor den Einrichtungen.

Verbleib des städtischen Jugendamtes
Zum Bad Kreuznacher Jugendamt sprach sich nur Rohrbacher klar für einen Verbleib bei der Stadt aus, um eine bedarfsorientierte Planung im Sinne der Stadt zu gewähren und auch die Stadt als Arbeitgeberin für pädagogische Fachkräfte attraktiv zu machen. Anheuser sprach sich zwar für den Verbleib des Jungendamtes aus, allerdings mit einem Finanzierungsvorbehalt.

Dieses online-Format hat sich bereits im Vorfeld der OB-Wahlen 2022 bewährt, da es Eltern erleichtert Kinder-Betreuung mit einer Teilnahme zu vereinbaren. Es soll deshalb nun auch vor der Kommunalwahl als Informationsangebot für Eltern und interessierte Wähler*innen dienen.

Für Fragen und Feedback sind wir offen und dankbar.